Satire am Samstag

1000 Meisterwerke
Heute: Guido Frings - "Schabrackenalarm"
Daily Dammer Modern Art Gallery, Dülken

Im Bildnis "Schabrackenalarm" des Künstlers Guido "Joy" Frings wird der Betrachter mit einem eindringlichen Kommentar aktueller gesellschaftlicher Missstände konfrontiert. Der geradezu brutal anmutende hyperrealistische Duktus ist für Frings' Spätwerk ebenso charakteristisch wie die auf eine sakrale Meta-Ebene verweisende Dominanz der Farbkombination schwarz-violett.
Die streng typografisch gehaltene Umrahmung scheint das emotional aufgeladene Bildzentrum beruhigen, entschärfen zu wollen, vermag jedoch die zahlreichen im Haupt-Sujet sublim implizierten Fragestellungen nicht zu verbergen, ja, will dies möglicherweise auch gar nicht. So bleibt es der Imagination des Rezipienten überlassen, die unausgesprochenen Fragen zu formulieren, deren Beantwortung womöglich erst im Kontext des Fringsschen Gesamtwerks zu erfassen ist.
Symbolhaft sind die abgebildeten Personen zwar mit Stiefeln, dafür aber so gut wie hosenlos dargestellt. Eine mehr als nur unterschwellige Anprangerung der aktuellen Situation im hosenerzeugenden Gewerbe, das ja praktisch nur noch in den Lohndumping-"Paradiesen" der dritten Welt stattfindet. Wenn nicht sogar mit Kinderarbeit. Geradezu zynisch der Verweis des Künstlers auf hemmungslosen Alkohol-Konsum als möglichem Ausweg aus diesem Dilemma. Oder verbirgt sich hier lediglich der "heiße (brennende Buchstaben!) Tipp", dass man sich die abgebildeten "Damen" besser ordentlich "schöntrinken" sollte, bevor man weitere Schritte in Erwägung zieht?
Meisterlich entführt uns Frings mit diesem großen Werk der zeitgenössischen Kunst in das schier unüberschaubare Labyrinth der Abgründe menschlicher Existenz bis schließlich die eine, alles entscheidende Frage sich vor unserem inneren Auge manifestiert: wer zum Henker ist eigentlich Uschi?!
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