Erfolgreiches Wochenende für Metaller und Unplugged-KünstlerEleonore siegen in Krefeld - Unplugged-Abend "SAJ-Couching" spektakulär gut besucht
Die Info kam in den frühen Morgenstunden per Twitter in Form eines Eintrags, der die Bezeichnung "Kurznachricht" wahrlich verdient. Ein schlichtes "Sieg ;) !!!" war da im Eleonore-Tweet zu lesen. Damit war für die Fans und für uns bei Tien Anton klar, dass das Daumendrücken sich gelohnt hatte. Die Viersener Progressive Metal Combo setzte sich gegen die Konkurrenz in der Krefelder Kulturrampe durch und steht nun im Finale beim Brawl Of The Bands 2010. Tien Anton sagt: "Herzlichen Glückwunsch!"
"Wall of Kuschel" im Jugendheim Helenabrunn
Kurz zuvor war im Jugendheim Helenabrunn ein musikalisch ein klein wenig anders ausgerichteter aber ebenso denkwürdiger Abend zu Ende gegangen. Beim "SAJ-Couching" betitelten Unplugged-Event im Jugendheim Helenabrunn waren die Veranstalter vom riesigen Fan-Andrang völlig überrascht. Twelveinchninja, Timo Brauwers und Honig zogen das so zahlreich erschienene junge Publikum mit gefühlvoll vorgetragenen Unplugged-Auftritten ganz unterschiedlicher stilistischer Prägung in ihren Bann. Kammermusikalischer Pop auf hohem Niveau in kuscheliger Wohnzimmer-Atmosphäre als perfekte Therapie gegen spätwinterliche Eiseskälte. Leuchtende Augen und lächelnde Gesichter wo man hinsah - Experiment geglückt!
Saal-Brigit-Vater Fritz Dröttbohm stößt beim Googeln auf ein reichhaltiges Video-Archiv mit Live-Mitschnitten aus Viersen.
Wir kennen das alle: man hat etwas Muße, sitzt grad vorm Rechner und denkt sich: "Ach komm, jetzt google ich mich mal selbst...". Manch eine(r) hat sich bei der Gelegenheit schon erschreckt, wie viele Informationen da zum Vorschein kommen über Details und Dinge, die man zum Teil selbst schon längst wieder verdrängt hatte und nicht unbedingt mit der ganzen Welt teilen wollte.
Eines von zahlreichen musikalischen Highlights aus Viersen: Ray Wilson im Januar 2010 im Saal Birgit
Eine eher positive Erfahrung mit den immer ausgeklügelteren Suchalgorithmen im Netz machte jetzt Fritz Dröttbohm vom Viersener "Saal Birgit" beim "Selbstgooglen". Über eine Google-Bildersuche nach den Begriffen "Saal Birgit Viersen" gelangte Dröttbohm zur Online-Musivideo-Suche des Englischen Musikmagazins NME. Das spuckt nach der Eingabe des Suchbegriffs Viersen eine Liste von sage und schreibe 613 Musikvideos aus, die allesamt Rock-, Pop-, und Jazz-Ereignisse in der Kreisstadt dokumentieren.
In der Anhäufung ergibt sich ein erstaunliches Bild von der immensen Lebendigkeit der Viersener Musik- und Veranstaltungsszene der letzten Jahr(zehnt)e. Kurioses und hochkarätiges stehen da friedlich nebeneinander. Von der Kelly Family 1994 auf dem Rathausmarkt über Jazzgrößen in der Viersener Festhalle bis zu Videomitschnitten vom Viersener Bandwettbewerb Young Talents, vom US-Gitarristen Larry Carlton im Dülkener Emporium über griechische Folklore bis zur HipHop Jam - die Ergebnisliste entpuppt sich als wahre Fundgrube für Musikfans alle Sparten. Wieder einmal bestätigt sich die alte niederrheinische Bauernweisheit: Viersen rockt!
Es ist soweit: für die einen das pure Grauen, von den anderen innig herbeigesehnt - ab Donnerstag herrscht in Viersen und Umgebung wieder der karnevalistische Ausnahmezustand. Nach mehreren Jahren als spätberufener Fan, insbesondere des Dülkener Straßenkarnevals, wird sich der Chronist dieser Seiten in diesem Jahr eine karnevalistische Auszeit leisten und fern vom närrischen Trubel einfach nur entspannen. Für alle Hierbleibenden geht es traditionell ab Donnerstag in die heiße Phase des kollektiven alkoholunterfütterten Frohsinns.
Fabulöser Roland "Lückenfüller" goes Indoor In Viersen zieht die ursprünglich einmal als Belebung des Straßenkarnevals gedachte "Lückenfüller"-Sause am Altweiber-Donnerstag vom angestammten Sparkassen-Vorplatz um ins ehemalige "Lord X", Am Kloster 21. Zitat dazu von Ranzig-Frontmann Tappi: "Tja, dat is immer son Problem, wenn die Leute nur noch ihre mitgebrachten Getränke verzehren, kann man so'ne Veranstaltung leider nicht mehr bezahlen. Und da wir nich rumheulen wollen, machen wir's nun drinnen." Ab 16 Uhr, "kleiner Eintritt, kein Vorverkauf, wenn voll dann voll": Ranzig, der Fabulöse Roland und Budda an den Decks.
Live in Boisheim: Las Bombas
Soul'n'Roll in Boisheim Live-Musik-Freunden, die erst später unterwegs sind und im Lord X nicht mehr reinkommen (was zum Abend hin durchaus passieren könnte) bleibt der Weg nach Boisheim: Bei Conny's zelebrieren die sympathischen langhaarigen Straßenmusikanten "Las Bombas" fluffige Tex-Mex-Rock'n'Roll-Party-Hits mit Tanzgarantie. Einlass 19 Uhr, Beginn 21 Uhr, Eintritt frei.
Freitag Abend - kurz vor 20.00 Uhr. Eisregen, Schneematsch und alles andere als ein einladendes Wetter um 15 km durch die Pampa zu fahren. Egal, Ray Wilson ist wieder im Saal Birgit und letztes Jahr war schon genial- also hin.
Mit einem Keyboarder und zwei Gitarristen spielte man über zwei Stunden allerfeinste akustische Popmusik. Irgendwie schien der Geist von Peter Gabriel (ja, ich weiß das der noch lebt) über Bockert zu schweben, denn bei allen Songs, die einst Peter Gabriel sang, gab es am meisten Applaus.
Da wäre zum einen der uralte Genesis-Klassiker "The Carpet Crawlers", dann "Biko" und nicht zuletzt Gabriels erster Solohit "Solsbury Hill". Klasse Sound, ein bestens aufgelegter Frontmann ("Here we are back in Viersen...ähh.. at the "Ceasars Palace" I think !) und volle Hütte rundeten den Konzertabend perfekt ab. Ray, bitte komme in 2011 wieder vorbei.
Leider habe ich es, erkältungsbedingt, letztes Wochenende nicht zum Konzert von Four Sale im Saal Birgit geschafft. Jetzt gibt es aber immerhin ein paar Bilder vom Abend, geschossen von Didgeridoo-Spieler Martin. Danke an Fritz vom Saal Birgit für den Link.
Unbezahlbar: musikalische Erfahrung aus vier Jahrzehnten
Klangvolle Namen der Viersener Rock-Historie stehen im Raum, wenn am kommenden Samstag, den 12. Dezember im Saal Birgit in Viersen-Bockert "Four Sale" ihren ersten öffentlichen Auftritt absolvieren.
Four Sale sind vier Musiker mit langjähriger Erfahrung aus der hiesigen Szene. So rockten sie u.a. in den Bands Divus, Anvil, Yeah, The Roof und Wayne durch die letzten 30 bis 35 Jahre der lokalen Musikgeschichte. Four Sale bringen Rockinterpretationen auf das Wesentliche konzentriert.
Gitarre: Wolfgang Müllers, Drums: Klaus Dilkrath, Gitarre/Gesang: Werner Büscher, Bass: Raimund Zimmermann (v. l.).
Tickets für das Premieren-Konzert sind kostenfrei erhältlich, müssen aber, wegen der begrenzten Plätze im Saal, zwingend vorbestellt werden: Info: www.saal-birgit.de. Tel.: 02162-102773, Fax.:02162-102769
Live-Tipp Spezial: Marianne Dissard in Boisheim (Do.)Foto: Dave Good
Chanson-Pop aus dem Calexico-Dunstkreis
Conny's-Betreiber Peter Breidenbach streut mal wieder rare musikalische Perlen unters niederrheinische Publikum. Die französische Songwriterin Marianne Dissard machte zuletzt Furore mit ihrer erfolgreichen Zusammenarbeit mit den Americana-Rock-Legenden Calexico. Lebt deren aktuelles Album doch nicht zuletzt von der Kombination der Calexico-typischen halluzinierenden Tex-Mex-Visionen mit dem rauchig-verträumten Chanson-Gesang Dissards.
Hier noch in Tucson/Arizona, am Do. bei Conny's: Marianne Dissard
Auf ihrer aktuellen Europa-Tournee macht Marianne Dissard übermorgen, am Donnerstag, den 19.11., Station in Boisheim. Einlass 19 Uhr, Beginn 21 Uhr, VVK 10 Euro, AK 12 Euro. Begleitet wird die Chanteuse von einer Band die zum Teil aus Calexico-Mitgliedern besteht. Prädikat: ganz seltene Gelegenheit, absolut empfehlenswert - nicht verpassen!
Tagestipp: Viersener Bandnachwuchs auf dem Sparkassenvorplatz
Vor ein paar Wochen schon bekam ich eine Mail von meinem derzeitigen Lieblings-Bassisten Yannick van Kessel, in der er mich auf den heutigen Auftritt seiner Band NOTYET! im Rahmen des von der Viersener Schüler Union veranstalteten "Schrock"-Events auf dem Viersener Sparkassenvorplatz hinwies. Seinerzeit antwortete ich, halb im Scherz, dass sich zu "meiner Zeit" eine Band, die etwas auf sich hält, niemals nicht für eine verkappte CDU-Wahlkampfveranstaltung hergegeben hätte, und ich mal schauen wolle, wie man die Veranstaltung bewerben könne, ohne gleichzeitig zur Wahl der CDU aufzurufen.
Dass "Schrock" in unserer "Was geht...?"-Rubrik am Donnerstag dann überhaupt nicht auftauchte, hatte allerdings keinen politischen Hintergrund, sondern ist schlicht meiner Schusseligkeit zuzuschreiben. Deshalb hier als Tagestipp für heute: Viersener Nachwuchsbands umsonst und draußen ab 19 Uhr vor der Sparkasse. Was den politischen Aspekt der Veranstaltung angeht: Das wollen wir jetzt einfach mal nicht so eng sehen, schließlich könnte man den Viersener Band Contest "Young Talents" oder das EmS-Festival bei näherer Betrachtung durchaus als Pro-Thönne-Werbeveranstaltung ansehen. Womit also die Parität wieder hergestellt wäre.
Na, das lob ich mir: kaum bin ich mal wieder am schwächeln, da sorgen andere für berichterstatterischen Nachschub. Peppi vom Kulturkommando 41, das in Süchteln das "Nachtschwärmer"-Kneipenfestival veranstaltete, hat uns per E-Mail mit Eindrücken vom Abend in der Irmgardisstadt versorgt. Hier sein Bericht:
Aus organisatorischer Sicht war das Kneipenfestival dieses Jahr eine kleine Herausforderung, da kurz vor Festivalbeginn das Akustik Duo 2gether aus Nettetal wegen Krankheit der Sängerin absagen musste.
Der Sänger JB Vox hatte uns aber versprochen den Gig alleine durchzuziehen, obwohl er auch mit grippeähnlichen Symptomen zu kämpfen hatte. Nachdem die Anlage aufgebaut war und er beim Soundcheck von einem Hustenanfall in den nächsten fiel stand ziemlich schnell fest, das auch das Soloprogramm so nicht stattfinden konnte. Nach einer halben Stunde wilden Rumtelefonierens wurde dann Markus Jansen aus Krefeld als Ersatz eingeflogen, der dann die Gitarre in die Hand nahm. JB Vox versprach den entäuschten Gästen der Stadtschänke das Konzert mit der Sängeren Tannila zu wiederholen, wenn beide wieder fit sind. Der Termin wir rechtzeitig bekannt gegeben!
Zeitgleich spielten im EVVE die Lokalmatadoren Kork!, die mit eigenen NuRock/Metalsongs glänzten. Gefolgt von den Borrachos, die handgemachten Punk zum besten gaben. Die Fans waren sich einig, geile Musik, geile Texte, Punk vom Feinsten. Borrachos erinnerten an die ersten Scheiben der Hosen und machten eine super Party.
Im Kolpinghaus war beim ersten Set von Nice Valley leider nicht so viel los. Dies änderte sich aber mit der Zeit und der anfangs mit Neonlicht ausgestatte, an Bahnhofshalle erinnernde Saal wurde doch zu einer netten Location, in der die Band ordentlich einheizte und Klassiker von Joe Cocker, Udo Lindenberg etc. auf und ab spielte.
Ein absoluter Hochgenuss waren die Ballroom Stompers aus dem Schwarzwald. Die Bürgerklause war bis auf den letzten Platz ausgebucht und das Kondenswasser lief von den Scheiben. Schon von weitem konnte man das Publikum mitsingen hören und nach 5 Zugaben wurde die Süddeutsche Rockabillykapelle erst widerwillig von der Bühne gelassen. Eine Kellnerin sagte mir, das ist eine Stimmung die sonst nur mit Karneval vergleichbar wäre.
Im Piano spielte die Newcomer Band Emilys Necklace aus Neukirchen-Vluyn. Vier total motivierte Jungs spielten musikalisch einwandfreie Sets mit überzeugenden Melodien, starken Riffs und eingehenden Keyboards. Viele Besucher waren begeistert, sagten es wäre eine Hammerband, von der wir in der Zukunft noch viel hören würden.
Gegenüber spielte Funkarea im Riva. Hier tanzten die Gäste auf eigene Disco- Soul und Funk Kompositionen der Solinger Band. Tiefe Beats, super Stimme und abwechslungreiche Percussions standen auf dem Programm.
B!B!B! und NOTYET im 1komma1 Letzte Woche war bekanntlich Musikwoche hier bei Tien Anton und auch das vergangene Wochenende stand ganz im Zeichen von Rock- und Pop-Musik. Wie bereits berichtet ist das von Eurem Lieblings-Web-Magazin im Dülkener 1komma1 veranstaltete Club-Konzert mit Beat!Beat!Beat! und ihrem Support Act NotYet von den jungen Dülkener Nachtschwärmern mit großer Begeisterung aufgenommen worden.
Neben dem umjubelten Auftritt von B!B!B! konnten auch die jungen Nachwuchskräfte von NotYet voll und ganz überzeugen. Mit großer Spielfreude zelebrierten NotYet ihr von der Band als "Indiecore" deklariertes musikalisches Programm und animierte das Publikum in der rappelvollen Kneipe zu ersten Begeisterungskundgebungen. Die im Vorfeld gemachte Aussage, das MP3-Material auf ihrer MySpace-Seite repräsentiere nicht ganz das musikalische Potential der Band, bewahrheitete sich aufs angenehmste.
Außer den rein musikalischen Aspekten auch noch erwähnenswert, mit welchem Einfallsreichtum die, besonders im Fall von NotYet, zum Teil noch ganz junge Fanbase, das Thema Jugendschutz-Bestimmungen anging. Da wurden vielfach die Eltern kurzerhand mitgeschleift zum Konzert, so dass besonders in der ersten Hälfte des Abends ein munteres Zwei-Generationen-Treiben zu beobachten war: während der Nachwuchs am Bühnenrand tobte, entspannte sich die Ü-40-Fraktion beim Bierchen an der Theke.
Viersener Bandcontest 2. Vorrunde Zur großen Freude aller Beteiligten ebenso gut besucht wie die Auftaktveranstaltung in der Vorwoche war die zweite Vorrunde des Viersener Bandwettbewerbs Young Talents in der RKW auf der Gerberstraße. Hier schafften, wie schon im Vorjahr, Toastbrot aus Hinsbeck den Einzug ins Finale. Beim Publikum, dessen Votum als fünfte Stimme neben denen der vier Jurymitgliedern gilt, hatten die Metalcore-Berserker von Breadowns at Tiffany's die Nase vorn, wie auch bei einem der Juroren *flöt*. Somit bleibt die Band im Rennen um den Titel "beste Zweite", der ebenso wie ein Vorrundensieg den Weg ins Finale ebnen würde.
Sie pusteten ordentlich die Gehörgänge der Zuhörer durch:
Den mit viel Vorschuss-Lorbeeren bedachten und ob des Ausscheidens sichtlich enttäuschten Viersener Lokalmathadoren All About blieb nur der undankbare dritte Platz des Abends. Ebenso wie für die viertplatzierten The Credits kann hier die Devise nur heißen: nach dem Bandcontest ist vor dem Bandcontest. Sie wären jedenfalls nicht die ersten Teilnehmer, die mehr als einen Versuch starten, um das Finale im Süchtelner Josefshaus zu erreichen.
Paul Di Anno im Pitch Black
Asi mit (musikalischem) Niveau: Paul di Anno Foto: Udo Gröbbels
Freund Udo Gröbbels war im Niederkrüchtener Metal-Café Pitch Black, um sich dort Ex-Iron-Maiden-Frontmann Paul Di Anno zu geben. Zitat aus Udos E-Mail über den Abend: "Paul di Anno war cool. Der Typ ist zwar absolut fertig und ein kompletter Vollasi, (cunt, wanker und 8744 x fuckin in den Ansagen) aber die Show war gut und die Stimmung auch. Highlight: Ramones Cover von 'Blitzkrieg Bop'. Geil."
Was für eine geile Party - danke an alle die da waren und mit den Beaties, NotYet, dem 1komma1 und Tien Anton mitgerockt haben! Hier drunter gibt's die (unbearbeiteten) Bilder des Abends, bitte macht Euch die roten Augen selbst weg, ich bin zu k.o. dafür, schließlich muss ich nachher wieder an die Front zur zweiten Runde vom Bandcontest in der RKW ;-)
Gestern noch mit uns selber hadernd wegen vermeintlich zu vielen reinen Musik-Beiträgen auf der Seite drehen wir heute den Spieß einfach rum und sagen: jetzt erst recht! Hiermit erklären wir die laufende Woche zur Tien Anton Musikwoche und bringen bis zum kommenden Wochenende, das wir bekanntlich ebenfalls musikalisch zelebrieren werden, ausschließlich musikalische Themen auf die Startseite des lokalen Webmagazins Eures Vertrauens.
Die heutige musikalische Inspiration verschaffte uns ein Blick auf die Homepage unserer Freunde vom Viersener Eier mit Speck Festival (24.-26-07). Aus irgendwelchen Gründen hatten wir uns auf unseren täglichen Streifzügen durchs Web schon länger nicht mehr dort hin verlaufen. Um so größer die Freude, als wir bei einem Blick aufs Line-Up feststellten, dass die Herrschaften Jinkertz, König und Tappesser auch in diesem Jahr wieder ein Wahnsinns-Programm auf die Bühnenbretter am Hohen Busch bringen werden.
Wir wollen hier gar nicht groß in die Details gehen, die kann jeder hinter den oben gesetzten Links selbst nachlesen. Stattdessen lassen wir eine lieb gewonnene Tradition aus dem letzten Jahr wieder aufleben und stellen ab heute jede Woche einen Festival-Act im Video vor. Anfangen wollen wir ganz am Ende des Festival-Programms. Die in den Vorjahren mit den umjubelten Auftritten von Waltari und Clawfinger eingeschlagene Marschrichtung, einen absoluten Top-Act aus dem Crossover-Genre zu verpflichten, findet in diesem Jahr ihre sensationelle Fortsetzung im krönenden Festival-Finale mit den amerikanischen Crossover-Heroen Dog Eat Dog.
Eine der Crossover-Hymnen überhaupt: Dog Eat Dog mit "No Fronts"
Nachtrag: leider können wir unseren Tien-Anton-"Altherren"-Tip nicht im Festivalprogramm entdecken, besteht da noch Hoffnung oder passte es gar nicht, liebe Hertzblutler?
Auch auf die Gefahr hin, dass Tien Anton vorübergehend zum reinen Musikportal mutiert, wollen wir doch auf das folgende Konzert am nächsten Samstag gesondert hinweisen: während TA-Schreiberling Dieter Mai sich in der RKW als Young-Talents-Jurymitglied der Rock-Nachwuchsförderung widmet und einen Tag nach unserem Club-Konzert mit den blutjungen Indie-Helden von Beat!Beat!Beat! gibt es im Saal Birgit eine außergewöhnliche Begegnung mit dem größten Rock- und Blues-Gitarristen der ehemaligen DDR.
Seit 40 Jahren steht der Gitarrist Jürgen Kerth nun auf der Bühne. Sein Stil ist irgendwo am Schnittpunkt zwischen Santana, Johnny Winter, B.B. King, Hendrix u.a. angesiedelt. Deswegen relativiert Kerth auch den gern gebrauchten Titel 'Ostdeutscher Blueskönig': "Meine Musik soll genauso den Swing, Soul und Funk, Reggae und vieles anderes mehr beinhalten".
Jürgen Kehrt mit B.B. King
Er war in DDR-Zeiten mehrmals zum "Nr.1-Gitarristen " gewählt worden. Seit 10 Jahren tritt er auch in Amerika auf, wo er schon zahlreiche Konzerte gab. Begeisterten und verblüfften Amis erklärte er es so: "Wenn du als Musiker an einem Ort festgehalten wurdest und nicht in die Welt konntest, mußtest du dich zu all deinen Vorbildern und legendären Konzerten, wie nach Woodstock oder ins "Filmore East" hinträumen. Du wolltest dieses Feeling in deine Welt holen."
Die über Jahrzehnte gleichbleibende Popularität von Jürgen Kerth ist wahrscheinlich mit darauf zurückzuführen, dass ihm dies nicht nur für sich gelang, sondern für viele Fans, die ähnlich fühlen wie er. Sie sprechen immer wieder von dem "unverwechselbaren eigenen Kerth-Stil". Durch seine vielen Kompositionen und Texte und dadurch, dass er sich ständig musikalisch weiterentwickelt, ist er mit zu einem der wichtigsten Musiker in diesen Landen geworden. Seit seinem 16. Lebensjahr spielt sein Sohn, Stefan Kerth als Bassist mit. Mit Stefan und Alexander Bätzel (dr) stehen ihm zwei exzellente Musiker zur Seite.
Jürgen Kehrt - Live im Saal Birgit, Pfarrstraße 6, Viersen-Bockert, Sa., 25. April 2009, 20 Uhr, VVK 14 € + Gebühr, AK 16 €
Umjubelter Auftritt von Ranzig (im Hintergrund) im Indoor-Soccer-Tempel Hattrick Hall. Ein Klick auf's Foto zeigt weitere Bilder vom Kneipenfestival
Lobberich Ordentlich was los war auch dieses Jahr wieder beim von der Nettetaler Rock-Initiative NERO organisierten Lobbericher Kneipenfestival. Hunderte Nachtschwärmer rockten und feierten bis in die frühen Morgenstunden. Nicht ganz so glücklich vielleicht die Entscheidung, Ranzig in der 350 Leute fassenden Hattrick Hall im etwas abseits gelegenen Gewerbegebiet auftreten zu lassen. Die wie immer enormen Publikuszuspruch auslösende Viersener Kult-Coverband zog so viele Menschen weg aus der Innenstadt hin zur fettesten Party des Abends, dass die in den kleineren Kneipen auftretenden Bands teilweise Mühe hatten, die jeweilige Location zu füllen. Hier mein Bericht zum Kneipenfest auf RP-Online.
In diesem Jahr wollen wir damit beginnen, in loser Folge Bands und Künstler aus der Region vorzustellen, die nach unserer Auffassung aus der Masse der lokalen Acts herausragen. In Kooperation mit den lokalen Veranstaltern vor Ort wird es unter dem Motto "Tien Anton präsentiert" Live-Konzerte in ganz unterschiedlichen Locations geben.
Den Anfang machen im April die Newcomer des vergangenen Jahres, die jungen wilden Electro Beat Gitarren Indie Garage Club Sound Pioniere von Beat!Beat!Beat!. Nach einem halben Jahr intensiver Klangforschung werden die Jungs dann erstmals wieder ihren Proberaum verlassen um das neu entstandene Material einem Live-Test zu unterziehen. Damit der Bruch vom dunklen Dülkener Proberaum zurück ins Rampenlicht nicht gar zu krass ausfällt, haben wir als geeignete Location die penibel vom Tageslicht abgeschirmten Katakomben der urigen Dülkener Altstadt-Kneipe 1komma1 ausgewählt.
In Dülken und Viersen begannen die Karnevalstage rockig, wir waren an beiden Schauplätzen mit der Digicam unterwegs, hier einige Impressionen als Diaschau:
Nachtrag:
Nicht wirklich alkoholfrei: jugendliche Selbstversorger auf dem Alten Markt
Die groß angekündigte "Feiern ohne Alkohol"-Aktion am alten Markt war übrigens auch in diesem Jahr wieder der erwartete Komplett-Reinfall. Die Beobachtungen von Boes Töchterlein, die dieser im Kommentar zu unserem Beitrag "Der Countdown läuft..." schildert, decken sich jedenfalls mit unseren: Sangriaflaschen schwenkende Jugendliche unter "Es geht auch ohne..."-Plakaten konterkarierten da ziemlich massiv die Präventions-Ambitionen von Stadt und Jugendbehörde. Vor diesem Hintergrund wirkt der Schlussabsatz im hier zitierten Polizeiberichts schon fast tröstlich, schließlich erbrachte wenigstens der dort beschriebene Delinquent den schlagkräftigen Beleg für den Wahrheitsgehalt des Alkoholfrei-Mottos: es geht auch ohne!
...am Freitag mal wieder lichterloh. Hier vorab ein paar Foto-Impressionen. Mehr Bilder wird es in Kürze auf der Süchteln brennt Homepage geben.
Das Süchteln brennt war auch dieses jahr wieder ein mehr als gelungenes Festival. Markus Heines und die "Paradiesvögel" haben es endgültig geschafft, die Veranstaltung als inoffizielles Jahresauftakt-Event der Viersener Rock-Szene zu etablieren.
Das außerordentlich hohe Ansehen, das die Süchtelner Veranstaltung in der Szene genießt zeigte sich, neben dem gewohnt enormen Andrang überwiegend sehr junger Rock-Fans, in der hohen Zahl maßgeblicher Aktivisten der Viersener Rock-Kultur unter den Besuchern. Die ("Eier mit Speck"- und Kneipen-)Festival-Macher Saori, Wim und Tappi wurden ebenso gesichtet wie Veranstalter Markus Gehlen vom Saal Birgit, "komplett"-Wirt Budda oder Birgit Zerres, die für die Stadt Viersen den "Young Talents" Bandcontest betreut. Sie alle erlebten eine Rock-Party vom feinsten:
Toastbrot (in neuer, reduzierter Trio-Besetzung) gingen richtig gut nach vorne, Idiotlights überzeugten mit intelligenten Indie-Rock-Nummern mit Anspruch. TrickORtreat rockten die Hütte, dass die Wände wackelten mit ihren einzigartigen Dual-Vocals und Timo Brauwers tödlich präzisen Gitarren-Riffs. Cyrcus-Frontmann Chubby hatte zwischendurch Sorge, als Headliner vor halb leerem Haus spielen zu müssen, da der Zeitplan etwas aus den Fugen geraten war.
Die Furcht erwies sich als unbegründet, zwar war es bereits nach 1 Uhr, als Cyrcus endlich die Bühne entern durften, aber die Hütte war noch voll und die Fans allerbester Stimmung, so dass Cyrcus in gewohnt souveräner Manier eine Indie- und Nu-Metal-Party vom Feinsten zelebrieren und dem Süchteln brennt ein absolut würdiges Festival-Finale bereiten konnten.
Schuld sowohl am verspäteten Auftritt der Platzhirsche, als auch an bestens gelaunten Musikfans zur späten Stunde war die eigentliche Sensation des Abends, die Köln-Arnheim-Viersen-Connection der HipHop-Crossover-Formation Die Rakede. Verstärkt durch Timo und Julian von trickORtreat, einen röhrenden Hasen und den französischen DJ Miloo brannte Die Rakede ein rockendes Rap-Feuerwerk der guten Laune ab, das die Besucher im Josefshaus von den nicht vorhandenen Stühlen riss. Die HipHopper eroberten die Herzen der Süchtelner Rockfans im Sturm, die ließen sich nicht lumpen und folgten der absolut HipHop-untypischen Einladung zu einer zünftigen "Wall of Death" - Respekt, Süchteln!
Und wie lautete Tappis grinsende Antwort auf unsere Anregung, dass die Jungs ja wohl definitiv auf's nächste "Eier mit Speck" passen würden? - "Hab'sch längst jebucht, Alter!"
Allerbeste Stimmung herrschte am Freitagabend beim Ray-Wilson-Konzert im Saal Birgit in Viersen-Bockert. Alles was früher mal lange Haare hatte war gekommen, um gemeinsam in alten Zeiten zu schwelgen. Mit einer bunten Mischung aus ganz alten Songs und Stücken aus der Mainstream-poppigen Phil Collins-Phase von Genesis traf der sympathische Schotte den Nerv des Publikums. Im rappelvollen Saal gelang es Wilson, der auf dem letzten Genesis-Album Phil Collins als Sänger ersetzte, sogar, die Phil-Collins- und die Peter-Gabriel-Fraktion miteinander zu versöhnen.
Rockten den Saal: Ray Wilson & Band (Foto: Daniel Schleberger)
Ganz nebenbei feierte der Saal Birgit wohl seinen endgültigen Durchbruch als Viersens "Rock-Wohnzimmer für Erwachsene". Da gab es flott gezapfte, gut gekühlte Biere, serviert von freundlichen Menschen, denen man die Begeisterung und das Herzblut jederzeit amerkte, mit denen hier Rock-Kultur pur zelebriert wird. Die Saal-"Macher" Ralf Gehlen und Fritz Dröttbohm kündigten für das laufende Jahr weitere hochkarätige Konzerte an. Man darf gespannt sein!
Nächstes Jahr werd ich dann mal versuchen, schon im Vorfeld darauf hinzuweisen, dass es auch in Boisheim eine Weihnachtskonzert-Tradition gibt, versprochen, Tappi ;-) . Nichtsdestotrotz war es ein feiner Abend in Süchteln mit Olaf, Schorsch und Co.!
Turbulente Wochen liegen hinter unserem Bewegtbildbeauftragten Ralfi: neben einem Umzug mussten auch Veränderungen im beruflichen Bereich bewältigt werden. Von seiner quasi nicht vorhandenen freien Zeit hat er sich trotzdem eine Viertelstunde vom Munde abgespart, um das versprochene EmS-Video wenigstens in einer notdürftig zusammengeflickten kurzen Rohfassung fertig zu stellen. Nehmen wir es als kleine Erinnerung an den wieder einmal viel zu kurzen Sommer (danke, Ralfi):
Melodisch ist das neue "Free"Der Samstag beim Viersener Jazz Festival
dmai Auf angenehme Weise Lügen gestraft wurde der Korrespondent am gestrigen Samstag in der Viersener Festhalle. Nicht nur, dass die Bude, im Gegensatz zum Freitag, richtig voll war, auch die Altersstruktur war erfreulich gut gemischt wie schon lange nicht mehr an gleicher Stelle. Um das Glück des Berichterstatters vollkommen zu machen, gab es auch noch eine Häufung innovativer Momente wie es sie ebenfalls lange nicht gegeben hat beim Viersener Festival.
Harter-Kern-Verzücker: Three Fall im Festhallenkeller
Die Highlights waren dabei, wie so oft, weniger auf der großen Bühne als auf den vermeintlichen Nebenschauplätzen, der Bühne 2 in der Musikschule und dem architektonisch nach wie vor scheußlich misslungenen aber gnädig ausgeleuchteten Festhallenkeller zu entdecken. Eben dort überzeugten ein weiteres Mal die im gestrigen Bericht schändlicherweise verschwiegenen Youngster von Three Fall: frisch, frech und unbekümmert durften sie das Samstagsfinale für den harten Kern der Jazzfans gestalten. Eine Aufgabe, der sich Lutz Streun (ts, bcl), Till Schneider (pos, Sousafon, Didgeridoo) und Sebastian Winne (dr) wie schon am Vorabend mit Bravour entledigten.
Flirt mit dem Viersener Publikum: Eddie Gomez Trio
Zuvor hatten die Routiniers Eddie Gomez mit seinem Trio und Jean Luc Ponty mit Band souveräne Auftritte auf der Main Stage in der Festhalle absolviert. Gomez wusste sich die Sympathien des Viersener Publikums frühzeitig zu sichern, verglich er doch deren akustische Qualitäten mit denen der New Yorker Carnegie Hall. Pontys routinierte Fusion Jazz Darbietung hatte zwar nicht mehr allzu viel von der anarchischen Aufbruchstimmung seeliger Jazzrock-Glanzzeiten, bot aber immer noch genügend musikalische Qualität, das Publikum zu ausgiebigen Beifallskundgebungen zu animieren.
Routinierte Fusion Jazz Performance: Jean Luc Ponty Band
Richtig spannend war es, einmal mehr, im Tropenholz-Rondell der kleinen Bühne in der Jugendmusikschule. Der blinde Akkordeonist Otto Lechner und sein kongenialer Mitspieler Arnaud Méthivier schufen mit ihren "Quetschkommoden" wahre Gänsehaut-Atmosphäre. Sehr emotional und einen riesigen musikalischen Reichtum wie aus einem niemals versiegenden Füllhorn über das gebannt lauschende Publikum ausgießend, in stetigem Fluss improvisierend ohne ins technisch-virtuose abzudriften. Ein Erlebnis, standing ovations.
Keine Zeit für Zwischenapplaus: Duo Lechner/Méthivier
Dem in nichts nach stand das ungewöhnliche Duo-Projekt von Heinz Sauer und Michael Wollny. Satte 46 Jahre Altersunterschied machten den ganz besonderen Charme dieser Kooperation aus. Einfach köstlich, mit anzusehen, wie da die musikalische Altersweisheit Sauers und die Tendenz zum jugendlichen Übermut bei Wollny in einer ganz eigenen, sehr persönlichen Improvisationsform mündeten.
Jung und Alt in fruchtbarer Kooperation: Duo Sauer/Wollny
Allen spannenden Projekten auf den Nebenbühnen gemein war der kollektive Abgesang auf die brachial-geräuschlastigen Improvisationsformen der Free-Jazz-Tradition. Das Melodische ist wieder da!
Nachtrag: Wer Ottmar Nagels Bericht auf RP-Online nachlesen möchte, der u. a. auf das erste Konzert auf der Hauptbühne am Samstag eingeht, das ich mir wie schon tags zuvor "geklemmt" hatte, kann dies hier tun. Dort gibt es noch ein paar Zeilen von mir zum Geschehen auf Bühne 2.
Viersener Fluchtreflexe, multipler Mädchen-Jazz und feiner HardbopKurzbericht vom ersten Tag beim Viersener Jazz Festival
dmai Spät eingelaufen und so Fay Claassen und Rashied Ali leider nicht sehen können. Letzterer muss, laut einem Gewährsmann, beim Auftakt auf der Hauptbühne derart "free" agiert haben, dass es einige Besucher förmlich von den Sitzen gerissen hat, nicht etwa vor Begeisterung sondern um die Flucht zu ergreifen. Einige sollen sogar schnurstracks zur Garderobe gelaufen und wehenden Umhangs den Rückzug vom Festivalgelände angetreten haben. So etwas gibt es, glaube ich, nur noch in Viersen. Nur hier hat offensichtlich der Typ Jazzfestival-Besucher überlebt, der in der Erwartung bierseeliger Dixieland-Klänge eine solche Veranstaltung besucht. Wenn's nicht so traurig wäre, könnte man glatt drüber lachen
Gähn: gefälliger Mädchen-Jazz von Rigmor Gustafsson
"Sehr melodisch" soll es dagegen bei der Performance der niederländischen Chanteuse Fay Classen zugegangen sein. Lassen wir mal so stehen, trifft in jedem Fall auch auf die Darbietung des zweiten "Main Acts" auf der Festhallen-Bühne zu. Dort intonierte die schwedische Sängering Rigmor Gustafsson gefälligen Lounge Jazz der eher wenig aufregenden Sorte.
Gut: geheimnisvoller Mädchen-Jazz mit Cyminology
Ganz anders dagegen die nächste weiblich dominierte Performance, nämlich der Auftritt der Band Cyminology auf Bühne 2. Hier mischten Sängerin und Komponistin Cymin Samawatie und ihre grandiosen musikalischen Begleiter einen äußerst spannenden und kurzweiligen Cocktail aus klassischer persischer Lyrik, aufregendem Ensemble-Spiel und hypnotisch-modernem Jazzgesang. Stark.
Versönliches Finale dann auch auf Bühne 1: The Cookers machten definitiv keine Gefangenen. Mit schnörkellos vorgetragenem Hard Bop und dem vorwärtstreibenden Groove gleich mehrerer Dekaden Jazz-Geschichte legte die All Star Formation einen fulminanten Auftritt hin. Großer Jubel, immer wieder Szenenapplaus, Anfeuerungsrufe und-Pfiffe aus dem leider nur zu knapp zwei Dritteln gefüllten Parkett.
Ganz großes Kino: Das Hard Bop All Star Ensemble The Cookers
Absprachen unter Viersens Konzert-Veranstaltern anscheinend nach wie vor nicht üblich
dmai Es ist mal wieder so weit: zwei Veranstaltungen nahezu identischen Zuschnitts am selben Abend in der selben Stadt, diesmal sogar nur einige hundert Meter voneinander entfernt. Während die TrafoStation für Freitag zum "Maximum Overdrive" einlädt, wo drei Metal-Bands zur Erbauung der Besucher ordentlich Krach ablassen wollen, gibt es in der RKW am selben Abend den "September-Rock" mit, na? - rrriiiiichtüüsch, drei Punk-/Metal-/Trash-Bands live auf der Bühne (Siehe unsere aktuellen Veranstaltungs-Tipps).
Man sollte meinen, die Verantwortlichen hätten aus Situationen wie dieser gelernt. Aber die Koordinierung von Veranstaltungsterminen scheint immer noch nicht möglich zu sein, eine Kommunikation zwischen den verschiedenen Locations findet offensichtlich nicht statt. So schön es ist, dass in Viersen und Umgebung musikalisch und (sub-)kulturell so viel geboten wird, um so ärgerlicher sind solche überflüssigen Überschneidungen.
Abhilfe könnte ein von allen Wirten, Konzertveranstaltern und Location-Betreibern gemeinsam pepflegter (Online-) Veranstaltungskalender schaffen, wo jeder seine geplanten Termine einträgt. Technisch betrachtet eine Banalität, würde dies natürlich voraussetzen, dass der einzelne Gastronom/Unternehmer/Verein bereit ist, ein Stück weit über den eigenen Tellerrand zu schauen. Angesichts der dadurch möglichen Vermeidung halbleerer Veranstaltungssääle sollte das doch eigentlich möglich sein, oder?
Rockten Helenabrunn: Die Omperter Ska-Punks von LaFamilia
dmai Schön was los war am Samstagabend beim SAJ-Festival in Viersen-Helenabrunn. Nach drei mehr oder weniger verregneten Jahren gab es dieses Mal endlich das erhoffte Festival-Sommerwetter. Dementsprechend groß der Andrang auf der Wiese hinterm Helenabrunner Jugendheim. Entdeckung des Abends waren zweifellos die Ska-Punks von LaFamilia: unbekümmert, mit viel Spaß am Spiel und einer gut geölten Horn Section legten die Gladbacher Jungs, die ihren Proberaum im Viersener Ompert haben, direkt ordentlich los. Bei soviel Spielfreude konnte man sogar den teilweise spätpubertären Fäkal-Humor der Nachwuchs-Punks verzeihen. Für ihren gelungenen Auftritt gab es später sogar Credits von Chubby, der unermüdlichen Metal-Rampensau der mal wieder großartig aufspielenden Cyrcus.
Pop für Erwachsene: Benevolent
Zwischen all dem Krach und Spaß boten Benevolent mit ihrem vergleichsweise ruhigen, klug arrangierten Erwachsenen-Pop eine gelungene Abwechslung. Sänger Stefan Honig erinnerte bisweilen gar an Coldplay-Frontmann Chris Martin, nett...
Metal-Rampensäue mit Kult-Faktor: Cyrcus
Am wenigsten mein Ding waren noch die eigentlichen Headliner des Abends, Peilomat, die waren mir persönlich, ehrlich gesagt, ein bisschen zu nett und gut aussehend. Wobei man gerechterweise sagen muss, dass auch Peilomat ein amtliches Rockbrett auspackten und mit großer Spielfreude ihren Part als letzte Band des Abend souverän meisterten. Außerdem waren beim Auftritt der Bundesvision-Song-Contest-Teilnehmer plötzlich die hübschesten und sparsamst gewandeten Girlies vor der Bühne, sangen sich bei jedem Stück textsicher die Kehle aus dem Leib und rasteten abtanzmäßig schier aus. Irgendwas muss also dran sein an Peilomat, die im übrigen demnächst noch einen Auftritt in der Viersener Trafo-Station haben werden.
Alles, was es an diesem Wochenende sonst noch an Veranstaltungen gab, haben wir links liegen gelassen und stattdessen auf unserem sonntäglichen Fahrradausflug mal wieder einen selten gesehenen Blickwinkel auf eine der zahlreichen schönen Ecken Viersens entdeckt:
Für immerhin 3 Bands und 100 Bilder hat die Kondition Eures Berichterstatters am Sonntag noch gereicht. Den Knorkator-Auftritt wollte der liebe Stefan für uns dokumentieren, die Bilder werden nachgereicht. Ansonsten, wie gehabt, hier alle Bilder zum durchklicken und beim Klick aufs Foto hier drunter die vollautomatische Slideshow.
Ergänzend dazu der Link zu meinem Bericht auf RP-Online, in der Print-Ausgabe heute Titelgeschichte im Grenzland-Kurier.
Schließlich noch das Video aus der Aktuellen Stunde im WDR am Freitag inkl. Kurz-Interviews mit Herrn Tab-Esser (so sprach das jedenfalls der freundliche WDR-Reporter aus (-: ) und Beat!Beat!Beat! Danke an Andreas Bongartz (schau an: noch ein News-Blog aus Dülken) für den YouTube-Link:
So, bevor ich mich gleich aufs Fahrrad schwinge um rechtzeitig zum Auftritt von Beatplanet auf dem Festivalgelände aufzuschlagen, hier noch schnell die Bilder-Ausbeute vom Samstag, wie gehabt wahlweise zum Durchklicken oder als vollautomatische (Flash-) Diaschau --> Klick aufs Bild!
Der Freitag auf dem EmS – schön war's! Nach der Devise "Ein Bild sagt mehr als tausend Worte" hier die Bilder des Abends, wahlweise zum selbst durchklicken oder als vollautomatische Diaschau (klick aufs Bild) – mit heißem Dank an Tina, die die Kamera während der Katzenfütterungs-Auszeit bravourös weiter bediente!
Die ersten Zelte stehen schon - Impressionen vom Freitagmorgen beim Eier mit Speck Festival
Ralfis schöne Dokumentation meines Bungee-Abenteuers hat mich auf den Geschmack gebracht. Ab sofort wird es hier bei Tien Anton vermehrt auch bewegte Bilder zu sehen geben. Natürlich sind meine "Skills" was das Filmen und Schneiden angeht nicht annähernd mit denen von Ralf zu vergleichen, auch die technische Ausrüstung ist eher bescheiden, aber das kann ja alles noch werden. Hier schon mal eine kleine, grob zusammengeschusterte Reportage vom Zeltplatz auf dem Eier mit Speck Festival von heute morgen (also fast live!):
Hier gibts auch schon erste Foto-Impressionen vom Festivalgelände.
dmai Sieg beim Young Talents Bandwettbewerb! Beat!BeatBeat! sind jetzt offiziell Viersens beste Nachwuchsband und Tien Anton gratuliert ganz herzlich zu diesem Erfolg! Nun dürfen die Jungs auf der großen Bühne beim diesjährigen Eier mit Speck Festival rocken.
Juryvorsitzende und Mitorganisatorin Birgit Zerres mit "ihren" Musikern nach dem Finale
Das ist nicht nur eine Riesensache für Beat!Beat!Beat! sondern auch eine musikalische Bereicherung für's Festival. Der charakteristische Sound der jungen Band fügt dem stilistisch durchaus abwechslungsreichen Festivalprogramm eine weitere Facette hinzu. Minimal-Music inspirierte Gitarren-Arrangements und erfrischend analog klingende Synthie-Sounds vermischen Beat!Beat!Beat! in vorwärts drängende Pop-Perlen mit Britpop-Attitüde. Dabei schaffen es die jungen Musiker ohne jegliche Zugeständnisse an aktuelle Trends hochmodern zu klingen.
Das erinnert weniger an die Retro-Punk-Rotzigkeit wie sie beispielsweise von den Arctic Monkeys und mittlerweile zahlreichen Epigonen zelebriert wird als viel mehr an hintergründiges Songwriting im Stile der frühen The Cure, dankenswerterweise allerdings ohne deren alles durchdringende Grund-Traurigkeit. Jung, frisch und lebendig klingt das alles und macht sehr gespannt auf die weitere musikalische Entwicklung einer Band, die, bei konsequenter Beibehaltung ihrer bisher praktizierten Eigenständigkeit, alle Chancen hat, den ihnen jetzt schon vorauseilenden Ruf als "Indie-Hoffnung vom Niederrhein" in nachhaltigen Ruhm zu transformieren.
Bereicherung für's EMS: Beat!Beat!Beat! beim Young Talents Finale im Süchtelner Josefshaus
Nachtrag: nur der Vollständigkeit halber und um Leser Tobi gerecht zu werden: natürlich haben B!B!B! nicht alleine das Finale gezockt, auf den Plätzen landeten Eleonore (2.), Toastbrot (3.) und CenterMyself (4.). Auf dem Gruppenbild mit Frau Zerres sind im Übrigen alle Bandmitglieder der 4 teilnehmenden Bands abgebildet...
Letzte Vorrunde beim Viersener Band-Wettbewerb Young Talents
Bei der Bewertung der Darbietungen in der letzten Vorrunde des Viersener Band Contests Young Talents herrschte eine in diesem Ausmaß noch nicht da gewesene Einigkeit in der Jury. Bei allen vier Jurymitgliedern standen am Ende die Bands in der gleichen Reihenfolge auf dem ausgefüllten Bewertungsbogen. Dafür fehlte dieses Mal der Schulterschluss mit dem Publikum, das die beiden ersten Plätze genau anders herum bewertet hatte als die "Experten". Bei den Gästen in der RKW hatten am Schluss Opinion knapp die Nase vorn. Zu Beginn des Abends eigentlich noch bei niemandem so richtig auf dem Zettel, brachten die sympathischen Musiker mit ihrem unbekümmerten, gradlinigen Retro-Rock als letzte Band des Abends noch einmal richtig Stimmung in die Bude. Zur Belohnung konnten Opinion dann auch als beste Zweitplatzierte aller Vorrunden-Termine die Finalteilnahme gewinnen. Von diesem Gewinn trat man jedoch noch am Abend zurück, da ein Teil der Band just am Finaltermin auf Reisen ist. Von Peru war da die Rede, und das ist dann doch etwas zu weit von Süchteln entfernt, wo am 14. Juni das Finale im Josefshaus stattfindet. Nutznießer dieser Entwicklung sind Eleonore, die als nächstplatzierte nun statt Opinion beim Finale rocken dürfen. Sympathisch auch die Band, die am Samstag die Rote Laterne des Letztplatzierten errang: Icefire. Zwar lief beim Auftritt beileibe nicht alles nach Plan, die Nervosität war spürbar und manifestierte sich unüberhörbar beim ein oder anderen verpassten Einsatz. Dafür bewies deren Frontmann beachtliches Gesangstalent und sah auch noch ziemlich gut aus. Leicht unter Wert mussten sich Blissfully Ignorant geschlagen geben. Vor dieser letzten Runde noch als Mitfavoriten um den Finaleinzug gehandelt blieb für die Alternative-Rocker aus Willich trotz einer souveränen und musikalisch ausgereiften, grundsoliden Vorstellung am Ende nur der undankbare dritte Platz. Da konnten sie beim Zusammenspiel noch so harmonieren, technisch noch so versierte Solisten aufbieten, im direkten Vergleich mit der nach ihnen auftretenden Band wirkte das alles doch zu sehr nach "schon zu oft so oder ähnlich gehört". Da war der dritte Platz für Blissfully Ignorant am Ende fast zwangsläufig, getreu der Devise "wenn schon nicht neu, dann aber lieber richtig Retro", wie eben der Poser-Rock von Opinion. Richtig modern klang eh nur eine Band an diesem Abend, sie spielten als Dritte, nach Blissfully Ignorant und ließen die, wie schon erwähnt, einfach nur alt aussehen. Beat!Beat!Beat! sind blutjung, authentisch, sehen verdammt gut aus, kommen bisweilen arrogant bis zum Scheiße schreien rüber und sind schlicht das aufregendste, was mir in den vergangenen 30 Jahren an Musik aus Viersen und Umgebung untergekommen ist, und das war weißgott nicht wenig. Bevor ich jetzt wegen Befangenheit aus der Jury gefeuert werde, halte ich einfach meine Klappe und hänge hier den Video-Mitschnitt an, den die fleißigen Menschen von Young Life dankenswerterweise und sogar in akzeptabler Qualität online gestellt haben. Beat!Beat!Beat! live in der RKW Viersen mit ihrem siegreichen Vorrunden-Auftritt beim Viersener Band Contest Young Talents:
Sieger des Abends: Toastbrot inkl. Bass-Drum-Festhalter
tiro Es war ein ganz normaler Frühlingsabend in der kleinstädtischen Idylle Viersens. Die Sonne, die den 22°-Tag geschaffen hatte, tat ihr Bestes, um auch den Abend noch lange zu hinauszuzögern. In der Luft lag dieser typische Geruch von verbrannten Grillwürsten gepaart mit Spiritus. Für die Geräuschkulisse sorgten die Frühlingsvögel, die aber allzu oft von dem Krach der Autos auf der Gerberstraße übertrumpft wurden. Eben ein ganz normaler Samstag Abend in Viersen, wie er auch im letzten Jahr hätte sein können.
Dieses Bild änderte sich schlagartig beim Anblick der alterwürdigen Fassade der Rock-Kultur-Werkstatt, dem Austragungsort der Vorrunden des „Young Talents“-Wettbewerbs 2008. Nicht nur, dass dieser Ort schon seit Jahren zu den Zentren der alternativen Samstagabendgestaltung in Viersen gehört, nach den Zwischenfällen beim letzten RKW-Abend hatte der Betreiberverein die Sicherheits- und Zutrittsregeln drastisch verschärft, so dass niemand unter 16 Jahren das Gelände betreten und die Konzerte besuchen durfte. „Das ist wirklich schade, denn vor allem die Unter-Sechzehn-Jährigen haben die Vorrunden gerne besucht und mitgefiebert“, sagt Claudia (17) vom Organisationsteam.
So kam es, dass zunächst nur ca. 20 Zuschauer inklusive der Jury Eleonore anschauten, die am Ende den zweiten Platz belegte. Die wiederum überzeugten in der schwierigen Rolle als erste Band des Abends mit zwar extremen, aber gut dosiertem Metal, der nicht zuletzt von der Erfahrung der Bandmitglieder profitierte.
Swing, Punk, Ska und Rockabilly: Boiled Bobcats
Einen originellen Mix aus Swing, Punk, Ska und Rockabilly lieferten die Böiled Bobcats aus Willich, die zwar das Publikum zum Mitsingen und Pogen brachten, die Jury aber nicht nur überzeugten. Hier haperte es noch an der Professionalität der Bandmitglieder, so dass letztendlich nur ein dritter Platz heraussprang.
Im Hof ging derweil der Protest weiter. Beachtung fand hier vor allem eine Gruppe Jugendlicher, die aus Protest gegen die neuen Regeln auf einer Mauer genau gegenüber der RKW Platz genommen hatte und so mit Tetrapacks Grünem Tee stillen Protest leistete. Sie blieben so lange wie die Frühlingshafte Sonne es erlaubte. „Ich finde es klasse, dass diese Jugendlichen zeigen, dass sie gerne dabei wären, es aber nicht sein können. Ich bin wirklich froh, dass ich schon 16 bin“, meint Mariel, die gerade im Hof steht und eine Cola genießt.
The Phillis als vorletzte Band des Abend kam sowohl bei der Jury als auch beim Publikum nur auf den vierten Platz. Sie erhielten in allen Bewertungsbereichen nur eine mittlere Punktzahl. Knapp vor Eleonore aber letztlich überzeugend siegten Toastbrot aus Hinsbeck, die als letztes auf die Bühne mussten. Die vom Alter der Mitglieder her jüngste Band des Abends konnte mit ihrer Version von lupenreinem Retro-Punk bei Jury und Publikum punkten. Ihre Musik kam insgesamt „reifer“ rüber, wie Lisa aus Viersen bestätigte.
Diesmal nicht ganz so zahlreich: Publikum in der RKW
Im Foyer der alten Villa steht die Anja Lukaseder der alternativen Samstagabendgestaltung und Hauptorganisatorin des Abends, Birgit Zerres. Auch sie findet es schade, dass offensichtlich unter den neuen Regeln in der RKW auch die Stimmung an dem Abend leidet. „Aber es ging nicht anders, die Verantwortlichen mussten dem einen Riegel vorschieben. Es kann nicht sein, dass sich Jugendliche so aus dem Leben schießen.“ Hier kommt für sie auch der erzieherische Aspekt einer ausgewogenen Jugendarbeit zum Tragen. „Wenn mit den neuen Regeln alles gut geht bin ich auch voller Hoffnung, vielleicht beim Finale im Josefshaus andere Regeln anzuwenden und auch die Unter-Sechzehn-Jährigen zu integrieren.“
Gypsy-Reggae und Krefelder BehördenfrustEin verspäteter Wochenend-Bericht
Am vergangenen Wochenende war ich Strohwitwer, die Liebste weilte zu einem mehrtägigen Betriebsausflug in der Bundeshauptstadt, ich war bei der Planung meiner Wochenend-Aktivitäten folglich auf mich allein gestellt, was also tun? Jutta Ditfurth konnte ich persönlich noch nie leiden, war mir immer eine Spur zu sehr auf Krawall gebürstet und selbstverliebt, jemand, der sich selber gerne Reden hört halt. War jemand bei ihrem Ulrike-Meinhof-Gedächtnisabend (ein Thema, das mich schon interessiert hätte) im Conny's und möchte uns Bericht erstatten? Nur zu! Statt dessen wäre eigentlich ein Besuch des Cowboys On Dope Konzerts im Viersener Komplett angesagt gewesen: pflegen die Jungs doch ein amtliches unplugged-Rock'n'Roll-Brett der durchaus hörbaren Sorte, außerdem steht da noch die Einladung zum Kennenlern-Bierchen von Wirt Budda im Raume, der via elektrischer Post dem Projekt Tien Anton sein Wohlwollen ausgedrückt und bestmögliche Unterstützung zugesagt hat. Dafür an dieser Stelle ein Dank nach Viersen! Letztendlich gelandet bin ich am Freitagabend schließlich in Krefeld. Mein alter Freund Roland hatte einen gemeinsamen Besuch im Jazzkeller angeregt, um sich dort die Electric-Balkan-Combo Turlitawa Shutka anzuschauen. Außerdem bot sich hier die Gelegenheit, Rolands frisch angetraute Lebenspartnerin Julia endlich einmal persönlich kennen zu lernen. Die Geschichte der beiden ist definitiv einer eigenen ausführlichen Betrachtung würdig, stark verkürzt könnte man sie als Odyssee charakterisieren, auf der sich die Entfernung zwischen dem Niederrhein und Weißrussland als leichter überwindbar erwies als die labyrinthischen Wege der Krefelder Ausländerbehörde. Deren geradezu kafkaeske Beharrlichkeit beim Versuch, dem Paar eine Scheinehe nachzuweisen ist geprägt von beispielloser Absurdität und Menschenfeindlichkeit. Nach monatelangem Hickhack inklusive Scheinbefragungen durfte sie jetzt, ein halbes Jahr nach Eheschließung und fast fünf Monate nach Beantragung der Familienzusammenführung endlich einreisen, hat aber vorerst immer noch nur eine auf drei Monate befristete Aufenthaltserlaubnis. Deutsches Ausländerrecht in seiner pervertierten Form. Das Konzert war auf jeden Fall großartig, der Abend ein sehr schöner. Die Band verband auf ebenso wundersame wie selbstverständliche Weise Zigeuner-Rhythmen mit Reggae, Funk und Soul, dass es eine wahre Freude war. Es wurde ausgelassen getanzt, meine von den Behörden so drangsalierten Freunde konnten ihre Sorgen erfolgreich ausblenden, gemeinsam feierten wir bis tief in die Nacht. Demzufolge den Samstag in Essig gelegen, und da man jenseits der Vierzig bekanntlich eher zwei Tage benötigt, um sich von einer durchzechten Nacht zu erholen, reichte es am Sonntag so grade eben, die gemeinsame Wohnung von den Spuren zweitägiger haushälterischer Nachlässigkeit zu säubern, ehe die Liebste vom Flughafen abgeholt werden musste. Vom so innig herbeigesehnten Frühlingseinbruch bis jetzt noch nicht allzu viel mitbekommen, weswegen der Bericht an diese Stelle abrupt endet. Bevor es morgen wieder zum Brotjob in den Bauch der Werbe-Galeere geht wollen jetzt dringend einige Runden mit dem Fahrrad über die Felder gedreht werden. Apropos Frühling: derselbe ist offenbar auch in unserer kleinen Dülken-Bilder-Galerie in der linken Seitenleiste ausgebrochen. Hierzu noch mal kurz erklärt: es tauchen dort alle aktuellen Bilder auf, die bei Flickr mit dem "tag" (=Stichwort) "Dülken" versehen werden.
So viel Konzert wie am Samstag war selten. Schön für die Partygänger, manchmal nicht so toll für die beteiligten Bands. Während in Boisheim, wo im ausverkauften Conny's Come InFools Garden gastierten, kaum noch ein Durchkommen war, feierten Fine und ihre Gäste eine tolle Rock-Party in Dülken im proppenvollen Bürgerhaus a.k.a. Emporium.
Fine-Sängerin Jill im Dülkener Bürgerhaus/Emporium
Leidtragende dieser beiden erfolgreichen Veranstaltungen waren Sheik Yerbouti mit ihrer Frank Zappa Tribute Show in der Viersener Trafostation. Angesichts der übermächtigen Konzert-Konkurrenz fanden sich hier lediglich um die 50 Aufrechte, die Zeugen eines grandiosen Auftritts wurden, der mit etwas mehr Publikum sicherlich für alle Beteiligten noch mehr Freude gebracht hätte.
Toll, aber leider nicht voll: Sheik Yerbouti in der Trafostation
Dann gab es ja auch noch den Cover-Rock-Abend im Saal Birgit, da dürfte es auch nicht viel besser ausgesehen haben als in der Trafostation, denn Cover gab es im Emporium schließlich auch reichlich. Etwas bessere Absprache der Viersener Gastronomen und Veranstalter sowie gegenseitige Berücksichtigung der Termine wäre eine tolle Sache um so eine Situation zukünftig zu vermeiden, findet Tien Anton. Einfach mehr miteinander Reden!
Die Nacht von Freitag auf Samstag scheint unter keinem guten Stern gestanden zu haben. Da wurde im Jugendheim meiner persönlichen Sturm- und Drang-Zeit, der Oase in Breyell, eingebrochen und unter anderem ein PC geklaut.
Und die Kiddies in der RKW sind zu doof, sich so zu besaufen, dass es keiner merkt. Na klar macht das Betrinken zwischen 14 und 16 am meisten Spaß, der Reiz des Verbotenen und so. Aber die mit den grünen Klamotten müssen das nicht mitbekommen, schon gar nicht sollte man denen gegenüber komplett ausrasten und insbesondere nicht als 14jähriges Mädel versuchen, die zu hauen! Es sei denn, man will sich einen der wenigen Veranstaltungsorte, die sich für die Belange Jugendlicher wirklich einsetzen, kaputtmachen!
Nachtrag: Eben trudelt eine weitere skurrile Freitagsmeldung ein, noch ein Erlebnis der besonderen Art für Viersens Polizisten, von diesen sogar mit einem Foto illustriert:
Am Freitag, gegen 13:50 Uhr, beobachtete eine Streifenwagenbesatzung einen Senior, der aus seinem Fahrzeug Sperrmüll entlud und diesen am Waldrand auf einer Grünfläche an der Süchtelner Straße drapierte. Nachdem die Polizeibeamten die Personalien des 72-jährigen Viersener überprüft hatten, musste der Mann seinen Müll vor den Augen der Gesetzeshüter wieder in sein Auto laden. Verbunden mit der Aufforderung, den Müll ordnungsgemäß zu entsorgen und in der Aussicht auf eine Anzeige wegen illegaler Müllentsorgung konnte der Senior seine Fahrt mit seinem Müll letztlich fortsetzen.
Was lernt uns das? Nicht nur die Kids, auch unsere Alten verfügen über ungeahntes Potential in punkto Doofheit und Dreistigkeit...
Boobylicious im Relax (Vorsicht, gruselige Midi-Lala ohne Ausschaltknopf! --> für Schnellmerker: die "Midi-Lala" nervt auf der Relax-Website und nicht bei Boobylicious, die haben natürlich ordentlich abgerockt wie eigentlich immer und wie im unten verlinkten RP-Artikel von mir beschrieben!)
An diesem regnerischen grauen Sonntagmorgen erinnern wir uns an eine alte Tradition des Zett-Dee-Eff: Das Sonntagskonzert! Wir bedienen uns dafür ausnahmsweise aus dem reichen Fundus unserer westlichen Nachbarn. Für Freunde des gepflegten Indie-Rocks - zurücklehnen, entspannen, genießen: Los Campesinos aus Wales live im Paradiso/Amsterdam am 25. Februar diesen Jahres (DSL-Verbindung erforderlich). Have Fun!
Kabarett goes KapitalFinanzdienstleistung meets Comedy im Dülkener Bürgerhaus
Fernseh-Prominenz "für Lau" gab es am Mittwoch im Dülkener Bügerhaus zu bewundern. Bill Mockridge ist nicht nur bekannt als spätberufener Lindenstraßen-Mutter-Beimer-Stecher aus der gleichnamigen Sozialkitsch-Endlos-Serie sondern zudem mit allen Bühnen-Wassern gewaschene Rampensau des von ihm begründeten Bonner Improvisationstheaters "Springmaus". Einer, der sich, gehärtet im Stahlbad der Provinzbühnen-Tingelei, seinen Sinn für die Realität bewahrt hat.
Insofern kann man ihm noch am wenigsten einen Vorwurf machen für sein Mitwirken bei dem von der Volksbank Viersen ausgerichteten "Infotainment"-Event mit dem schönen Namen "Abgeltungssteuer mal anders erklärt." Schließlich müssen wir alle sehen, wie wir über die Runden kommen, geldmäßig betrachtet. Von einmal pro Woche im Fernseh' auftreten kann man halt keine Familie am Kacken halten, das verstehen wir doch. Nicht ganz so lustig fanden wir allerdings, dass die von Mockridge vorgetragenen Comedy-Intermezzi zum allergrößten Teil auf recycletem Uralt-Witzmaterial beruhten. Kostprobe: "Na, mal Hand auf's Herz, welcher der anwesenden Herren hat denn heute Abend seine Garderobe selbst zusammengestellt?"- zwinkerzwinker...
"Zum Lachen bringen" und eventuell auch "zum Nachdenken anregen", wie vom Volksbank-Sprecher angekündigt, konnte derlei Pseudo-Kabarett zwar erstaunlicherweise die Mehrheit im gut gefüllten Saal, nicht jedoch den Rezensenten, den der Vortrag des Bühnen-Profis Mockridge stattdessen mehrfach zum Gähnen "brachte". Das Einzige was hier "angeregt" wurde, war die Hoffnung, im nachfolgenden Fachvortrag zum Steuerthema wenigstens mit unfreiwillig humoristischen Einlagen entschädigt zu werden. Bis auf ein paar kleinere Versprecher aber leider auch hier Fehlanzeige.
Ein erstaunlich schlecht - sprich: ohne jegliche sinngebende Betonung - vortragender Investment-Heini machte sich gar nicht erst die Mühe, den eigentlichen Zweck der Veranstaltung zu verschleiern und begann recht zügig damit, den Zuhörern die Vorteile des möglichst baldigen Erwerbs von Aktien-Fonds des ihn beschäftigenden Finanzdienstleisters ans Herz zu legen. Immerhin bewies der Mann erstaunliche Beharrlichkeit beim wortwörtlichen Ablesen von Info-Grafiken, was zu deren Verständnis zwar weniger als nichts beitrug, dafür der Situation aber eine gewisse meditativ-esoterische Weihe verlieh.
Auf dem fluchtartig vorzeitig angetretenen Heimweg dann doch noch etwas zum Lachen, zwar nur aus Schadenfreude aber immerhin: ein zuvor bereits im Bürgerhaus per Lautsprecher-Durchsage ausgerufener Falschparker hatte offensichtlich nicht aufgetrieben werden können. Jedenfalls wurde sein Auto gerade vom Abschleppdienst an den Haken genommen - wie das halt so geht, wenn man eine Einfahrt zuparkt. Welche Einfahrt? - Na, die vom Dienstparkplatz der örtlichen Polizeiwache...