Mirja auf der „Durchreise“
Mirja Boes las am 12.02.09 im Connys in Boisheim aus ihrem Buch „Boese Tagebücher“Nachdem "Chef" Dieter die Sache ja zu heiß war (siehe
Vorbericht), sollte ich mir nun die Finger verbrennen. Die Vorzeichen bei mir sind aber etwas anders, denn im Gegensatz zu ihm sehe ich Mirja Boes gerne im Fernsehen und fand auch ihr letztes Comedy-Bühnenprogramm, das ich 2007 in Krefeld sah, sehr unterhaltsam. Die Vorab-Hörproben zum aktuellen Hörbuch fand ich ebenfalls sehr witzig. Ohne Vorurteile, aber mit hohen Erwartungen machte ich mich also auf den Weg Richtung Boisheim
„...und schreib nicht wieder alles so positiv. Ich fand es echt eine ziemliche Abzocke!“ Mit diesen Worten verabschiedete sich mein Kumpel Daniel vor seiner Haustür, machte die Beifahrertür zu und ging durch den verregneten Amerner Abend. Ganz so drastisch fand ich es jetzt nicht, aber den Kern seiner Aussage kann ich gut nachvollziehen. Aber erst mal an den Anfang des Abends.

Von der schnellen Truppe: Frau Boes in Boisheim
Heute Abend war es endlich soweit. Nachdem Mirja im Dezember schon nach ihrem letzten Auftritt im Emporium in Dülken nochmals im Connys als Gast vorbeigeschaut hatte, war heute sie der Grund, dass sich der Gartensaal im Connys schnell füllte. Kurz nach 20 Uhr kam dann auch die attraktive Ex-Boisheimerin an ihren Lesetisch und wurde laut bejubelt. Die „Homecoming Queen“ war also wieder im Lande. Mirja las verschiedenen Geschichten aus ihrem Buch, die man teilweise schon aus ihrem letzten Comedy-Programm kannte. Dem Publikum gefielen diese lokal geprägten Anekdoten, die aus ihren Tagebüchern aus den 80ern und frühen 90ern bestanden sichtlich gut und es wurde herzhaft gelacht. Auch bei mir flossen teilweise die Tränen vor Lachen. Nach knapp 45 Minuten gab es eine, so Mirja, „Pils-Pause“. Im zweiten Teil ging es auch munter weiter mit Geschichten über Sonnenbänke, Versuche mit Katzen und wehleidige Männer. Etwas abrupt war dann allerdings schon nach einer weiteren halben Stunde Schicht, und das übliche „ Zuschauer fragen den Autor“ sparte sich Mirja mit den Worten „Hat jemand Fragen? Ist ja auch alles klar. Schönen Abend noch“.
Anschließend gab es die übliche Möglichkeit, sich das Buch oder das Hörbuch bei der Autorin mit einer Widmung versehen zu lassen. Ein Blick auf die Uhr verriet, dass es noch recht früh war und sich Frau Boes gerade mal etwas mehr als eine Stunde Zeit für ihre alte Heimat genommen hatte. Bei einem Eintrittspreis von immerhin 15 Euro war dies definitiv zu wenig. Jetzt kann man auch den verärgerten Spruch vom Anfang des Berichtes verstehen.

Kaum vorgelesen, schon signiert...
Fazit: das Wort „Kurzweilig“ hat hier eine ganz neue Bedeutung bekommen. Sicherlich amüsant und charmant vorgelesen, aber es überwog doch der Eindruck, dass sich die Autorin in ihrer alten Heimat ruhig etwas mehr Zeit hätte nehmen können um einem nicht das Gefühl zu vermitteln, dass sie sich wirklich nur auf der Durchreise befindet. Um es mit den Worten ihres Alter Ego „Möhre“ zu sagen: „Das waren leider keine 20 cm Mirja, höchstens 12!"
Text und Fotos: Udo Gröbbels
Labels: Boisheim, Conny's, Mirja Boes
Die Boes in Boisheim

Aus meiner herzhaften Geringschätzung des humorschaffenden Wirkens von
Mirja Boes habe ich an dieser Stelle
nie einen Hehl gemacht. Als Titanic-Leser der ersten Stunde und bedingungsloser Gefolgsmann deren humorkritischen Sammelpseudonyms Hans Mentz hängt meine persönliche Messlatte einfach zu hoch, um den Darstellungskünsten von Frau Boes auch nur ein Mindestmaß an Vergnügen abgewinnen zu können. Taucht die Boes im Fernseh auf, langt meine Hand in zuverlässigem Pawlowschen Reflex in Richtung Fernbedienung.
Andererseits bin ich als Macher dieses aufstrebenden kleinen Internet-Magazins, das sich nicht einmal zu schade ist, im Kopf der Seite mit Zitaten dubioser Provinzpolitiker zu werben, zu lokalpatriotischem Opportunismus geradezu verpflichtet. Und das in desem Fall um so mehr, als sich mit der Dülkener
Buchhandlung Doetsch und Boisheims Kneipen-Urgestein
Conny's gleich zwei unserer Anzeigenkunden zusammengetan haben, um die gebürtige Boisheimerin Mirja zu einer
Lesung in ihr Heimatdorf zu locken.
Vor dem Hintergrund dieser publizistischen Zwickmühle erscheint das freudliche Angebot des Schreiber-Kollegen
Udo Gröbbels, sich für Tien Anton der Boesschen Lesung in Conny's Come In berichterstatterisch anzunehmen, als optimale Lösung für alle Beteiligten: ich selbst brauche mich nicht mehr zu verbiegen als ich es durch diese vergleichsweise ausführliche Ankündigung ohnehin schon getan habe, der drohende Verlust der überlebenswichtigen Anzeigenkunden ist vorerst abgewendet und der liebe Udo kommt für Lau zu einer
Spitzen-Comedy-Lesung mit Lokalkolorit.
Nachtrag: Conny's-Betreiber Peter Breidenbach teilte uns soeben per E-Mail mit, dass die Veranstaltung komplett
ausverkauft ist.
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