Disco nur für Deutsche
Im "Brösel" bleibt alles beim Alten

Das eigenwillige Geschäftsgebaren der
Brüggener Diskothek
Brösel war bereits vor einiger Zeit erstmals in die Schlagzeilen der
Lokalpresse geraten. Damals wurde bekannt, dass dort ausländischen Besuchern grundsätzlich der Einlass verwehrt wird. Auch der
Taz war die Geschichte seinerzeit eine
Meldung wert.
Dass sich an dieser Praxis, trotz der damals aufbrandenden allgemeinen Empörung, zwischenzeitlich nichts geändert hat, mussten jetzt die Organisatoren einer im 'Brösel' geplanten '
Vorabifete' des
Viersener Erasmus-von-
Rotterdam-Gymnasiums am eigenen Leib erfahren. Mitten in den zu diesem Zeitpunkt bereits weit fortgeschrittenen Party-Vorbereitungen, die
Flyer waren schon gedruckt, die Einladungen verschickt, wurden die Schüler lapidar darauf hingewiesen, doch bitte auch an die 'Ausländerliste' zu denken.

Die
Gymnasiasten sollten dem Betreiber am
Veranstaltungsabend eine Liste mit den Namen ihrer ausländischen Mitschüler vorlegen, damit diese vom Türsteher zu ihrer eigenen Party eingelassen werden. In einer eilends
einberaumten Schülerversammlung der Jahrgangsstufe 12 wurde daraufhin beschlossen, wegen bereits investierter Arbeit, Zeit und Geld, diese eine Party noch im
Brösel zu veranstalten, sich aber für die nächsten
Vorabi-
Feten nach einer anderen
Location umzusehen. Die geforderte Ausländerliste wollten die Schüler auf keinen Fall mitbringen. Ein Schülervertreter zu
Tien Anton: "Mal abgesehen vom diskriminierenden Charakter einer 'Ausländerliste' dürfen wir schon aus Gründen des Datenschutzes so eine Liste gar nicht herausgeben."
Selbstverständlich wollten wir auch den Verantwortlichen des Brösel die Möglichkeit geben, sich zu den Vorgängen zu äußern und führten ein Telefongespräch mit dem Betreiber der
Diskothek, Jörg
Johannböke. Darin bestätigte Johannböke freimütig die Anweisung an seine Türsteher, Ausländer grundsätzlich abzuweisen und begründete dieses Vorgehen mit der Wahrung der Sicherheit seiner Gäste.
Der Diskotheken-Betreiber zeigte sich darüber hinaus sehr aufgebracht über die kritische Haltung der
Viersener Gymnasiasten und behielt sich vor, in Zukunft auf die Ausrichtung von
Vorabi-
Parties zu verzichten. Er verstehe außerdem die ganze Aufregung nicht, der Anteil ausländischer Abiturienten sei doch ohnehin so gering, dass man darum nicht so ein Aufhebens machen müsse.
Mittlerweile ist die Party über die Bühne gegangen. Drei türkischen Mitschülern der veranstaltenden Jahrgangsstufe 12 wurde der Eintritt zur eigenen Fete ohne Angabe von Gründen verwehrt. Den Schülervertretern wurde außerdem mitgeteilt, dass es für das E.v.R.-Gymnasium keine Feier mehr im Brösel geben werde, weil sie wegen der "Ausländerliste" die Presse ins Spiel gebracht hätten. Dass sich für sie das Brösel als Veranstaltungsort zu diesem Zeitpunkt schon längst disqualifiziert hatte, verschwiegen die Viersener Schüler aus Sorge, im Streitfall nicht den ihnen zugesagten Gewinnanteil der Veranstaltung ausgezahlt zu bekommen. Bis dahin war es nämlich trotz mehrfachen Nachhakens der Schüler nicht zu einer schriftlichen Vereinbarung gekommen.
Parteipolitisch engagiert sich der Brösel-Chef bei der Brüggener FDP, sein Gastronomiebetrieb ist auf der Website der
Liberalen Wirte gelistet. Wie die kruden Ansichten und die eigenwilligen Geschäftspraktiken des bekennenden Roland-Koch-Fans Jörg Johannböke mit dem Begriff "liberal" in Einklang zu bringen sind, bleibt dabei das Geheimnis der Beteiligten.
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Vorabifeten und Abiball
Die Ausrichtung eines
Abiballs anlässlich der bestandenen Hochschulreife ist seit Jahren fester Bestandteil der Abitur-Feierlichkeiten der weiterführenden Schulen nicht nur im Raum
Viersen. Schien früher die Ausrichtung einer zwar förmlichen, doch vergleichsweise bescheidenen Feierstunde zur Ehrung der erfolgreichen Absolventen allen Beteiligten als angemessen, so darf es heutzutage gern etwas mehr sein. Anscheinend braucht es die Simulation zukünftiger gesellschaftlicher Bedeutung, die Vision einer auch materiell erfolgreichen Karriere, die das Ritual Abiball mit Pomp, Glamour und der obligatorischen festlichen Abendgarderobe womöglich vermittelt.
So ein Ball kostet natürlich, zur Finanzierung der Abi-Bälle hat sich die deshalb die Veranstaltung mehrerer so genannter
Vorabi-Parties als geeignete Maßnahme erwiesen. Dazu werden in angesagten Szene-Locations Disco-Abende veranstaltet, deren Erlöse das Ball-Budget aufstocken helfen.
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Zeugnisalarm! - 'Benimm' wieder 'in'?
Ein längst totgeglaubtes Relikt aus der Vergangenheit feiert fröhliche Wiederauferstehung. Erstmals seit den frühen 70er Jahren des letzten Jahrhunderts gibt es sie jetzt auch in NRW wieder: die "Kopfnoten" auf dem Schulzeugnis. Von Pädagogen und Sozialwissenschaftlern wird dieser bildungspolitische Rückfall in die Adenauer-Ära
kontrovers diskutiert. Die einen loben die Rückbesinnung auf klassische Erziehungswerte wie Pünklichkeit, Fleiß und Disziplin. Kritiker geben zu bedenken, dass die Benimm-Noten auf dem Abschlusszeugnis die Schulabgänger für den Rest ihres Lebens begleiten und den ein oder anderen Personalchef zum vorzeitigen Aussortieren von Bewerbern animieren könnten.
Was halten die Schüler selbst vom neuen Schulfach "Betragen"? Alles Banane, oder ist "Benimm" gar wieder "in"?
Tim Robens befragte für Tien Anton im Anschluss an die heutige Zeugnis-Ausgabe seine Mitschüler/innen am Viersener
Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium:
Julian (13), 7. Klasse:
"Die Kopfnoten sind eine coole Idee. Sie zeigen Schwächen auf und helfen einem, sich zu verbessern. Die Eltern müssen aber dahinter stehen und eventuell 'Stress machen'.
Ich sehe aber auch die Gefahr, dass Noten 'unfair' vergeben werden, dass zum Beispiel ein Klassensprecher überall Einsen bekommt."
Matthias (11), 5. Klasse:
"Das war mein erstes Zeugnis am Gymnasium. Ich hab mich erschrocken, dass ich so viele Noten bekommen hab. In der Grundschule gab es immer nur fünf Zensuren. Kopfnoten finde ich überflüssig, es ging vorher auch ohne. Um die "Störer" zu bestrafen sollte man lieber einen kleinen Text aufs Zeugnis schreiben. Die Kopfnoten können ein gutes Zeugnis 'versauen'."
Leonie (11), 6. Klasse:
"Ich bin mit meinen Kopfnoten zufrieden und finde die eine gute Idee. Ich hoffe, dass die 'Störenfriede' in meiner Klasse damit ermahnt werden können. Allerdings müssen auch die Eltern die Noten ernst nehmen, damit die Kinder sich ändern können."
Stephan (15) 9. Klasse:
"Die Einführung der Kopfnoten war sinnvoll, ich füchte aber, dass, wegen dem damit verbundenen zusätzlichen Arbeitsaufwand für die Lehrer, Noten auch schon mal 'einfach so' gegeben werden, damit man schnell fertig ist. Die Noten sind nur okay, wenn sie gerecht und fair sind."
Carina (18) Stufe 13 (Die '13er' haben ihr Zeugnis schon im Dezember bekommen):
"Im Prinzip sind Bewertungen von Arbeits- und Sozialverhalten eine gute Idee. Man muss aber bedenken, dass Kopfnoten einen Schüler nicht beschreiben oder charakterisieren können. Mich stört außerdem die Art der Notengebung: was ist z.B. mit der Kategorie 'Konfliktverhalten', wenn ein Schüler gar keine Konflikte hat? Außerdem sind die Kopfnoten stark lehrerabhängig, Stichwort 'Lieblingskinder'. Der 'Ausgangspunkt' bei der Noten-Vergabe sollte einheitlich geregelt sein. Aktuell ist es so, dass einige Schulen von einer '1' ausgehen und bei Bedarf herabstufen, andere vergeben pauschal eine '2' und werten auf oder ab."
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